Gehetzte Gedichte & Co.Posts RSS Comments RSS

Archive for June, 2008

Ohne Titel

Ich hasse alle.

Mach das Licht aus.

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Mann ey oder das Leben wie es sein kann

Ich fahr zum Sport, die Tasche tanzt am Lenker.

Ich fahr zum Sport, ich fahr zum Sport, yo.

Ich fahr zum Sport, und die Tasche tanzt im Wind.

w-w-w-w-w-wind, w-w-w-wind, hörst du?

Yo. Die Tasche.

Ich fahr zum Sport, die Tasche, Mann, die Tasche.

Ich fahr zum Sport, ich pfeif im Takt.

Die Mucke dröhnt, Mann, ich fahr zum Sport.

Sport, yo, yo, yo, yoyoyoyo.

Am Lenker: my world in a small, tiny micro boX.

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“VERDAMMT”

Es ist was es ist (Erich Fried)

Es ist alles chaotisch benutze es (Matias Faldbakken)

Es ist alles bescheuert teile es (Die Goldene Anika)

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Der Unterschied zwischen sick und sickofitall

Krank sein

Neben dem Schrank sein

Nicht von Belang sein

Ganz unerkannt sein

Also: allein sein

Vor einem Teller Brei sein

Ungewollt Punk sein

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Die Generation spricht

Krass

Die Generation spricht

und findet darkness

spooky

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Die Sache mit der Ex

Ich hörte das dumpfe Gelächter aus meiner Wohnung schon im Treppenhaus. Vor der Wohnungstür blieb ich stehen und lauschte. Jetzt war es still, aber ich wusste, dass sie dort drinnen sich angespannt still verhielten als ob der Große Moment, der Gag erst noch kommen sollte. Ich hatte niemanden eingeladen, niemand besaß einen Zweitschlüssel für die Wohnungstür und ich wollte niemanden sehen. Drinnen erwarteten sie mich. Ich überlegte nicht, umzukehren, bei einem Nachbarn zu klingeln oder die Polizei zu rufen. Diese Wohnung war mein Eigentum, ich zahlte die Miete, das war meine Kochecke, in der ich mir mein Essen kochte und also hatte dort niemand etwas zu suchen. Es ging um meine Privatnische, an der ich zwar nicht hing, aber mein Raum musste verteidigt werden. Das musste ich selbst tun, allein und ohne fremde Hilfe, wenn auch widerwillig.

Müde steckte ich den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür. Die Tür schwang auf und ich bemühte mich um einen entschlossenen Ausdruck. Sie hatten das Licht angemacht und die gelben Wände spiegelten das harte Licht der 60-Watt-Birnen wider. Andis Ex-Freundin saß mir gegenüber auf meinem Sofa. Drei oder vier Bekannte lümmelten sich auf den Stühlen und Kissen, die rechts und links um die Ex-Freundin verteilt waren.

Sie sah anders aus als auf den Photos, von denen ich sie kannte. Szeniger. Und blonder, vielleicht gebleichte Haare, lang, bis kurz über den Po. Sie blickte mich klar und furchtlos an. Diese Bekannten waren die Jury. Sie redeten über eine Party und Klatsch und Literatur, glaube ich.

Mein eigentlicher Gegner lehnte im Flur. Er war ein Koloss mit einem viel zu kleinen Kopf ohne Haare und einem riesigen Rücken. Es muss ein Zyklop gewesen sein. Bevor ich anfing, ihn zu attackieren, dachte ich: „Der Kampf ist sowieso verloren. Die Niederlage ist im Kampf enthalten. Ich gehe auf ihn los und zeige meine Unterlegenheit, weil sie sehen, wie ich mich abrackere.“ So waren meine ersten Angriffe gehemmt und lahm. Mein Arm war schwer, als ich ihn hob, um meinen Schlüssel in den nackten ausgebeulten Rücken des Zyklopen zu hieben. Ich hatte den Schlüssel nicht fest genug gepackt, er knickte auf dem Rücken zur Seite, statt sich durch die Walrosshaut zu bohren. Er wehrte sich nicht. Er stand mit der Brust zur Wand und stützte sich mit ausgestreckten Armen gegen die gelbe Wand als ob er von der Polizei durchsucht würde. Rechts neben seinen Armen hing ein gerahmter Kandinsky-Druck. Beim dritten misslungenen Versuch, ihn zu attackieren, spürte ich den wachsenden Schmerz im Hals, den man hat, wenn man weinen will. Der Kampf war eine Farce! Die Ergebenheit tat mir gut, denn wer keine Wahl hat, kann wirklich wütend sein. Ich hatte mein Publikum vergessen und nur noch den einen Gedanken, diesen Koloss aus der Wohnung zu treiben. Meine Wut wurde rasend drosch ich auf seinen festen Rücken ein, er blutete sowieso nicht. Nur seine Haut und sein Fleisch wurden von Hieb zu Hieb zerfetzter. Ich schleuderte ihn herum und schlug ihm ins Gesicht. Sein eines Auge stierte mich traurig und leer an. „Er spürt keinen Schmerz, er spürt ja keinen Schmerz“, sagte ich mir zwischen einer Reihe von Tritten in seinen Kugelbauch, die ihn langsam in Richtung Wohnungstür beförderten. Als er nur noch zwei Meter von der Wohnungstür entfernt war, ließ ich von ihm ab. Ich schrie mit überschlagender Stimme: „Verpiss dich endlich! Verpiss dich!“ Dabei klatschte mein Pony auf die Stirn. Ein Heiligenschein aus Schweißtropfen zerstob um mein Gesicht. Er war zurückgewichen und griff jetzt nach der Klinke. Er blickte sich nicht mehr um und schob sich hinaus. Die Tür zog er leise hinter sich zu.

Ich hörte meinen heftigen Atem und löste meine geballten Fäuste. Meine Hände zitterten, aber ich war endlich ruhig. Ich wandte mich dem Publikum zu. Niemand sagte etwas und keiner applaudierte. Sie saßen immer noch auf ihren Plätzen. Andis Ex-Freundin sah mich an. Ihr Gladiator war ihr egal gewesen. Die Jury brauchte nicht zu urteilen, ich hatte selbst gerichtet. Ich ging auf wackeligen Knien zum Kühlschrank und öffnete mir ein Bier. Dann setzte ich mich zu ihnen. Leise nahmen sie ihre Gespräche wieder auf.

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Die Rotweingläser langweilen mich oder Die Vergangenheit holt auf

Die Rotweingläser langweilen mich. Stefans aggressives Rumgetöne und Carlos’ gedehnte Einwände wechseln sich ab, manchmal macht Stefan Zugeständnisse. Stefan ist mein Ex, Carlos Stefans Kumpel. Politikstudenten. Es gibt kein anderes Thema als Politik. Betrunken habe ich mich schon, jetzt bin ich gereizt. Und vollgefressen. Wir sitzen im Wohnzimmer. Draußen ist es dunkel. Ich glotze gegen die Finsternis.

Da ist ein Schatten, ein Mann eilt durch den Garten. Stefan und Carlos sehen ihn auch. Stefan zieht ein Ekelgesicht: „Hä, was soll das denn? Ich wollte den Garten noch nicht für die Öffentlichkeit freigeben.“ Ich denke: „Und das ist das einzige, was dir dazu einfällt.“ Wir haben uns vor einem halben Jahr getrennt, ich bin auch froh drum.

Der Mann im Garten zögert. Er ist ziemlich groß, ziemlich kräftig und trägt einen Rucksack. Wie Finn. Finn, meine bittersüße Affäre. Als wir noch keinen Sex hatten, haben wir Scherze über’s Heiraten gemacht.

Der Mann macht zwei, drei Schritte nach vorn, dreht sich um und blickt zu uns ins Wohnzimmer. Das ist Finn!

Er bewegt sich auf uns zu. Und jetzt? Stefan hat ihn auch erkannt. Ich will mich verstecken. Finn kann doch nicht gewusst haben, dass ich hier bin. Er schwankt. Finn, mein Freund und Liebhaber – mit der Liebschaft ging auch mein freundschaftliches Gefühl für ihn zugrunde. Das weiß er aber nicht.

Ich stehe nicht auf. Finn öffnet die Terrassentür, bleibt in der Tür stehen, Stefan in Abwehrhaltung, Carlos kapiert gar nichts. Finn sieht mich an. Ich schäme mich für unseren gediegenen Tisch. Sein Blick fällt auf die Rotweingläser. Seine Augen flirren. Er will also die Zelte hier ab- und aufbrechen. Er sagt meinen Namen.

Zwiespalt. Entweder ich gehe mit ihm mit, er hat’s geschafft, den Schnitt gemacht, den Rucksack gepackt. Oder ich bleibe hier, vergammele in den bloßen Privilegien, unwillig.

Stefans Blick wechselt von mir zu Finn, abschätzig.

Finn ist nicht normal, absolut nicht wie sonst, er ist blass schmutzig und gehetzt. Wir setzen uns beide schon noch zu.

Ich sage zu ihm: „Komm, lass uns hochgehen.“ Staksig gehe ich voran. Ich fühle mich höchst schlampig.

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Der Anfang

Anfang und Ende sind sich schon recht ähnlich, nur beim einen ist man betrunken. So wie jetzt z.B., als ich diesen Herrn Tiefsinn versuche loszuwerden. Um mit einem jungen Mann nach Hause zu schlendern. Nahezu identisch sind sich A und O darin, dass sie selbstständig gesetzt werden. Diesen jungen Mann musste ich auch erst mal definitiv aufgabeln, um Mr. Tiefsinn Adieu zu sagen, während ich noch versuche, aus den Augenwinkeln ins Nebenzimmer zu glubschen, um die Abschiedstournee kurz zu halten.

Lange nicht so nah dran gewesen, an der guten alten Welt – aber das denke ich erst, als der junge Mann (er heißt Andi) und ich über die Alster laufen, die Horde schon lange hinter uns gelassen haben. Andi ist nett, sagt nicht sehr viel, und lässt mich reden, hiervon und davon, ich vergnügt und entzückt über den spontanen Einfallsreichtum. In Kopf und Oberkörper habe ich immer noch das Gedudel von eben und untermale mein hysterisches Blabla mit wippenden Schultern. Und eigentlich passiert nichts – die Wellen machen Klatschgeräusche und Andis Sommersprossen funkeln grünlich grinsend erzählen wir uns unsere Meinungen, nur zum Spaß tasten wir uns vorsichtig vor und trotzdem.

Irgendwie ist es schon dasselbe, ob die Welt in ihrer Schunkelbewegung innehält oder sich die Ereignisse überstürzen.

Wir küssen uns wie Fische und prusten los. Unser Lachen hallt zurück und ich denke, ich habe was gefunden, einen blinkenden Groschen. Andi und ich singen Beatles, abwechselnd, einer von uns ist immer die Gitarre. Es war schon dumm, das Schöne nur im Dreck zu sehen.

Andis Haare sind salzig und feucht, das macht die Luft mit Süßwasserfischen. Süßwasserfische, das sind wir, und wir polieren uns zärtlich die grüngoldenen Schuppen. Andi sagt: „Komm, lass uns an die Oberfläche tauchen!“

Ist der Sommer nicht viel besser zum Verlieben?

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Nkechi und Basamo (Aus dem Zoo)

Den Menschen fällt das Lieben also nicht leicht. Und wie ist das bei den Tieren? Die Tiere? Die lieben auch nur so gut es geht.

Es waren einmal zwei kleine Elefanten. Sie hießen Nkechi und Basamo. Sie lebten in einer Stadt, in der sonst nur Menschen lebten. Nkechi und Basamo waren wie Brüder, obwohl sie nur zufällig aufeinander getroffen waren. Ihre Eltern lebten weit, weit weg. Darum waren die beiden so froh, dass sie sich gefunden hatten. Denn sie verstanden sich gut. Sie konnten gemeinsam über Dinge lachen, über die kein Mensch lachen kann.

Doch eines Tages lernte Nkechi einen Menschen lieben, obwohl Nkechi noch ein kleiner Elefant war. Auch Basamo lernte Menschen kennen, mit denen er manchmal etwas unternahm. Trotzdem blieb Basamo ein kleiner Elefant unter den Menschen – was er auch wusste. Er blieb allein. Nkechi blieb auch allein, obwohl er den geliebten Menschen hatte. Und obwohl Nkechi doch den geliebten Menschen hatte, war er manchmal eifersüchtig auf die Menschen, mit denen Basamo etwas unternahm. Nkechi merkte zwar, dass er mit dem geliebten Menschen sehr gerne Zeit verbrachte, aber sie konnten nicht so miteinander lachen, wie er es mit Basamo hatte können. Trotzdem lachte er mit seinem geliebten Menschen, aber sein Lachen war nicht mehr das dröhnende Elefantenlachen von früher. Sein Lachen war abgehackter und es füllte nicht mehr den ganzen Raum und strömte angespannt zwischen dem geliebten Menschen und Nkechi hin und her.

Basamo vertrieb sich die Zeit mit den Menschen meist ohne Lachen. Das fand er nicht so schlimm. Schlimm fand er, dass er, die seltenen Male, zu denen er Nkechi sah und mit ihm lachte, beim Lachen merkte, dass Nkechi nicht mehr über die gleichen Dinge wie er, Basamo, lachen konnte. Traurig bemerkte er, dass Nkechi ihn allein gelassen hatte. Jetzt war er wieder so allein, wie er es war, bevor Nkechi und Basamo aufeinander getroffen waren. Er war wieder der einzige Elefant in einer Stadt voller Menschen. Basamo wurde groß, er wurde erwachsen.

Auch Nkechi merkte, dass er nicht mehr so gut und frei mit Basamo lachen konnte wie früher. Nkechi war nicht mehr bei der Sache. Nkechi schaute nicht mehr zu den Dingen, die ihm Basamo lachend zeigte, er schaute auf Basamos Augen und auf sein Maul, und begann erst dann zu lachen, wenn Basamo ihn fragend anblickte. Nkechi hatte Angst vor Basamos Augen. Er begann, es zu fürchten, mit Basamo Zeit zu verbringen. Nkechi begann, den Menschen die Schuld daran zu geben, dass sein altes Elefantenlachen verschwunden war und sein neues Lachen ihn traurig machte. Nkechi wurde nicht größer. Er wurde kleiner und ein braunes Fell wuchs ihm auf dem Rücken. Seine Ohren blieben so groß, wie sie waren, aber seine Beine schrumpften. Eines Tages fiel ihm sein Rüssel beim Husten ab, zurück blieb nur ein spitzer Kegel. Nkechi war eine Maus geworden. Der geliebte Mensch sah keinen Unterschied und strich Nkechi über den pelzigen Rücken.

Basamo sah, dass Nkechi sich verändert hatte, und ging fort. Viele Tage setzte er Schritt vor Schritt. Auf seiner Reise lernte er andere Menschen, ein Känguruh und einen schillernd blauen Vogel kennen, bis er endlich zu einem Sandberg kam. Erschöpft von der langen Wanderung legte er sich nieder und schlief sofort ein. Als er aufwachte, stand eine Elefantenherde um ihn herum. Sie sprachen eine Sprache, die Basamo nicht verstand. Er lernte ihre Sprache nie, doch sie erlaubten ihm, mit ihnen zu ziehen, bis er zu schwach zum Gehen würde und seine Haut von unzähligen Runzeln überzogen wäre. Als er starb, gruben die anderen Elefanten ihm ein Grab, weil sie wussten, dass das bei den Menschen so Sitte war.

Nkechi lebte nur kurz als Maus unter Menschen, denn Mäuse sterben früher als Elefanten oder Menschen. Als Nkechi starb, drückte ihm der geliebte Mensch wie jeden Abend einen Kuss auf die flache Stirn.

Diese Geschichte habe ich mir im Zoo erzählen lassen. Dort erfährt man mehr als man so denkt.

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Schuld und Scham rocken das Haus

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