Poesie oder
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gibt es keine Worte
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Königin in Kassel
Paradiesvogel in Passau
Die Schärfste mit 18
Die Beste im Büro
Der einzige Enzian auf einer wilden Wiese
Welcome to the real world.
Ich hörte das dumpfe Gelächter aus meiner Wohnung schon im Treppenhaus. Vor der Wohnungstür blieb ich stehen und lauschte. Jetzt war es still, aber ich wusste, dass sie dort drinnen sich angespannt still verhielten als ob der Große Moment, der Gag erst noch kommen sollte. Ich hatte niemanden eingeladen, niemand besaß einen Zweitschlüssel für die Wohnungstür und ich wollte niemanden sehen. Drinnen erwarteten sie mich. Ich überlegte nicht, umzukehren, bei einem Nachbarn zu klingeln oder die Polizei zu rufen. Diese Wohnung war mein Eigentum, ich zahlte die Miete, das war meine Kochecke, in der ich mir mein Essen kochte und also hatte dort niemand etwas zu suchen. Es ging um meine Privatnische, an der ich zwar nicht hing, aber mein Raum musste verteidigt werden. Das musste ich selbst tun, allein und ohne fremde Hilfe, wenn auch widerwillig.
Müde steckte ich den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür. Die Tür schwang auf und ich bemühte mich um einen entschlossenen Ausdruck. Sie hatten das Licht angemacht und die gelben Wände spiegelten das harte Licht der 60-Watt-Birnen wider. Andis Ex-Freundin saß mir gegenüber auf meinem Sofa. Drei oder vier Bekannte lümmelten sich auf den Stühlen und Kissen, die rechts und links um die Ex-Freundin verteilt waren.
Sie sah anders aus als auf den Photos, von denen ich sie kannte. Szeniger. Und blonder, vielleicht gebleichte Haare, lang, bis kurz über den Po. Sie blickte mich klar und furchtlos an. Diese Bekannten waren die Jury. Sie redeten über eine Party und Klatsch und Literatur, glaube ich.
Mein eigentlicher Gegner lehnte im Flur. Er war ein Koloss mit einem viel zu kleinen Kopf ohne Haare und einem riesigen Rücken. Es muss ein Zyklop gewesen sein. Bevor ich anfing, ihn zu attackieren, dachte ich: „Der Kampf ist sowieso verloren. Die Niederlage ist im Kampf enthalten. Ich gehe auf ihn los und zeige meine Unterlegenheit, weil sie sehen, wie ich mich abrackere.“ So waren meine ersten Angriffe gehemmt und lahm. Mein Arm war schwer, als ich ihn hob, um meinen Schlüssel in den nackten ausgebeulten Rücken des Zyklopen zu hieben. Ich hatte den Schlüssel nicht fest genug gepackt, er knickte auf dem Rücken zur Seite, statt sich durch die Walrosshaut zu bohren. Er wehrte sich nicht. Er stand mit der Brust zur Wand und stützte sich mit ausgestreckten Armen gegen die gelbe Wand als ob er von der Polizei durchsucht würde. Rechts neben seinen Armen hing ein gerahmter Kandinsky-Druck. Beim dritten misslungenen Versuch, ihn zu attackieren, spürte ich den wachsenden Schmerz im Hals, den man hat, wenn man weinen will. Der Kampf war eine Farce! Die Ergebenheit tat mir gut, denn wer keine Wahl hat, kann wirklich wütend sein. Ich hatte mein Publikum vergessen und nur noch den einen Gedanken, diesen Koloss aus der Wohnung zu treiben. Meine Wut wurde rasend drosch ich auf seinen festen Rücken ein, er blutete sowieso nicht. Nur seine Haut und sein Fleisch wurden von Hieb zu Hieb zerfetzter. Ich schleuderte ihn herum und schlug ihm ins Gesicht. Sein eines Auge stierte mich traurig und leer an. „Er spürt keinen Schmerz, er spürt ja keinen Schmerz“, sagte ich mir zwischen einer Reihe von Tritten in seinen Kugelbauch, die ihn langsam in Richtung Wohnungstür beförderten. Als er nur noch zwei Meter von der Wohnungstür entfernt war, ließ ich von ihm ab. Ich schrie mit überschlagender Stimme: „Verpiss dich endlich! Verpiss dich!“ Dabei klatschte mein Pony auf die Stirn. Ein Heiligenschein aus Schweißtropfen zerstob um mein Gesicht. Er war zurückgewichen und griff jetzt nach der Klinke. Er blickte sich nicht mehr um und schob sich hinaus. Die Tür zog er leise hinter sich zu.
Ich hörte meinen heftigen Atem und löste meine geballten Fäuste. Meine Hände zitterten, aber ich war endlich ruhig. Ich wandte mich dem Publikum zu. Niemand sagte etwas und keiner applaudierte. Sie saßen immer noch auf ihren Plätzen. Andis Ex-Freundin sah mich an. Ihr Gladiator war ihr egal gewesen. Die Jury brauchte nicht zu urteilen, ich hatte selbst gerichtet. Ich ging auf wackeligen Knien zum Kühlschrank und öffnete mir ein Bier. Dann setzte ich mich zu ihnen. Leise nahmen sie ihre Gespräche wieder auf.