Den Menschen fällt das Lieben also nicht leicht. Und wie ist das bei den Tieren? Die Tiere? Die lieben auch nur so gut es geht.
Es waren einmal zwei kleine Elefanten. Sie hießen Nkechi und Basamo. Sie lebten in einer Stadt, in der sonst nur Menschen lebten. Nkechi und Basamo waren wie Brüder, obwohl sie nur zufällig aufeinander getroffen waren. Ihre Eltern lebten weit, weit weg. Darum waren die beiden so froh, dass sie sich gefunden hatten. Denn sie verstanden sich gut. Sie konnten gemeinsam über Dinge lachen, über die kein Mensch lachen kann.
Doch eines Tages lernte Nkechi einen Menschen lieben, obwohl Nkechi noch ein kleiner Elefant war. Auch Basamo lernte Menschen kennen, mit denen er manchmal etwas unternahm. Trotzdem blieb Basamo ein kleiner Elefant unter den Menschen – was er auch wusste. Er blieb allein. Nkechi blieb auch allein, obwohl er den geliebten Menschen hatte. Und obwohl Nkechi doch den geliebten Menschen hatte, war er manchmal eifersüchtig auf die Menschen, mit denen Basamo etwas unternahm. Nkechi merkte zwar, dass er mit dem geliebten Menschen sehr gerne Zeit verbrachte, aber sie konnten nicht so miteinander lachen, wie er es mit Basamo hatte können. Trotzdem lachte er mit seinem geliebten Menschen, aber sein Lachen war nicht mehr das dröhnende Elefantenlachen von früher. Sein Lachen war abgehackter und es füllte nicht mehr den ganzen Raum und strömte angespannt zwischen dem geliebten Menschen und Nkechi hin und her.
Basamo vertrieb sich die Zeit mit den Menschen meist ohne Lachen. Das fand er nicht so schlimm. Schlimm fand er, dass er, die seltenen Male, zu denen er Nkechi sah und mit ihm lachte, beim Lachen merkte, dass Nkechi nicht mehr über die gleichen Dinge wie er, Basamo, lachen konnte. Traurig bemerkte er, dass Nkechi ihn allein gelassen hatte. Jetzt war er wieder so allein, wie er es war, bevor Nkechi und Basamo aufeinander getroffen waren. Er war wieder der einzige Elefant in einer Stadt voller Menschen. Basamo wurde groß, er wurde erwachsen.
Auch Nkechi merkte, dass er nicht mehr so gut und frei mit Basamo lachen konnte wie früher. Nkechi war nicht mehr bei der Sache. Nkechi schaute nicht mehr zu den Dingen, die ihm Basamo lachend zeigte, er schaute auf Basamos Augen und auf sein Maul, und begann erst dann zu lachen, wenn Basamo ihn fragend anblickte. Nkechi hatte Angst vor Basamos Augen. Er begann, es zu fürchten, mit Basamo Zeit zu verbringen. Nkechi begann, den Menschen die Schuld daran zu geben, dass sein altes Elefantenlachen verschwunden war und sein neues Lachen ihn traurig machte. Nkechi wurde nicht größer. Er wurde kleiner und ein braunes Fell wuchs ihm auf dem Rücken. Seine Ohren blieben so groß, wie sie waren, aber seine Beine schrumpften. Eines Tages fiel ihm sein Rüssel beim Husten ab, zurück blieb nur ein spitzer Kegel. Nkechi war eine Maus geworden. Der geliebte Mensch sah keinen Unterschied und strich Nkechi über den pelzigen Rücken.
Basamo sah, dass Nkechi sich verändert hatte, und ging fort. Viele Tage setzte er Schritt vor Schritt. Auf seiner Reise lernte er andere Menschen, ein Känguruh und einen schillernd blauen Vogel kennen, bis er endlich zu einem Sandberg kam. Erschöpft von der langen Wanderung legte er sich nieder und schlief sofort ein. Als er aufwachte, stand eine Elefantenherde um ihn herum. Sie sprachen eine Sprache, die Basamo nicht verstand. Er lernte ihre Sprache nie, doch sie erlaubten ihm, mit ihnen zu ziehen, bis er zu schwach zum Gehen würde und seine Haut von unzähligen Runzeln überzogen wäre. Als er starb, gruben die anderen Elefanten ihm ein Grab, weil sie wussten, dass das bei den Menschen so Sitte war.
Nkechi lebte nur kurz als Maus unter Menschen, denn Mäuse sterben früher als Elefanten oder Menschen. Als Nkechi starb, drückte ihm der geliebte Mensch wie jeden Abend einen Kuss auf die flache Stirn.
Diese Geschichte habe ich mir im Zoo erzählen lassen. Dort erfährt man mehr als man so denkt.