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Die Rotweingläser langweilen mich oder Die Vergangenheit holt auf

Die Rotweingläser langweilen mich. Stefans aggressives Rumgetöne und Carlos’ gedehnte Einwände wechseln sich ab, manchmal macht Stefan Zugeständnisse. Stefan ist mein Ex, Carlos Stefans Kumpel. Politikstudenten. Es gibt kein anderes Thema als Politik. Betrunken habe ich mich schon, jetzt bin ich gereizt. Und vollgefressen. Wir sitzen im Wohnzimmer. Draußen ist es dunkel. Ich glotze gegen die Finsternis.

Da ist ein Schatten, ein Mann eilt durch den Garten. Stefan und Carlos sehen ihn auch. Stefan zieht ein Ekelgesicht: „Hä, was soll das denn? Ich wollte den Garten noch nicht für die Öffentlichkeit freigeben.“ Ich denke: „Und das ist das einzige, was dir dazu einfällt.“ Wir haben uns vor einem halben Jahr getrennt, ich bin auch froh drum.

Der Mann im Garten zögert. Er ist ziemlich groß, ziemlich kräftig und trägt einen Rucksack. Wie Finn. Finn, meine bittersüße Affäre. Als wir noch keinen Sex hatten, haben wir Scherze über’s Heiraten gemacht.

Der Mann macht zwei, drei Schritte nach vorn, dreht sich um und blickt zu uns ins Wohnzimmer. Das ist Finn!

Er bewegt sich auf uns zu. Und jetzt? Stefan hat ihn auch erkannt. Ich will mich verstecken. Finn kann doch nicht gewusst haben, dass ich hier bin. Er schwankt. Finn, mein Freund und Liebhaber – mit der Liebschaft ging auch mein freundschaftliches Gefühl für ihn zugrunde. Das weiß er aber nicht.

Ich stehe nicht auf. Finn öffnet die Terrassentür, bleibt in der Tür stehen, Stefan in Abwehrhaltung, Carlos kapiert gar nichts. Finn sieht mich an. Ich schäme mich für unseren gediegenen Tisch. Sein Blick fällt auf die Rotweingläser. Seine Augen flirren. Er will also die Zelte hier ab- und aufbrechen. Er sagt meinen Namen.

Zwiespalt. Entweder ich gehe mit ihm mit, er hat’s geschafft, den Schnitt gemacht, den Rucksack gepackt. Oder ich bleibe hier, vergammele in den bloßen Privilegien, unwillig.

Stefans Blick wechselt von mir zu Finn, abschätzig.

Finn ist nicht normal, absolut nicht wie sonst, er ist blass schmutzig und gehetzt. Wir setzen uns beide schon noch zu.

Ich sage zu ihm: „Komm, lass uns hochgehen.“ Staksig gehe ich voran. Ich fühle mich höchst schlampig.

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